XV

Anfänge des Bergbaus

Entdecker

Wussten Sie, dass man davon ausgeht, dass ein gewöhnlicher Bauer aus dem Dorf Tarnowice die Silber- und Bleivorkommen entdeckt hat?

Ende des 15. Jahrhunderts soll der aus Tarnowice stammende Bauer Rybka bei Arbeiten auf dem Feld einen Klumpen eines kostbaren Erzmetalls gefunden haben. Aus dem rekonstruierten Register der freien Bauren in der Region um Bytom wissen wir, dass dieser Rybka mit Vornamen Jan hieß. Der glitzerndne Klumpen wurde wahrscheinlich dank der Wurzeln eines umgestürzten Baumes sichtbar. Dieser Fund bewirkte, dass die Reichtümer des Bodens zahlreiche Hauer anzogen. In kurzer Zeit entstand eine Siedlung und mit ihr die „gory“, also auf Altpolnisch Bergwerke oder Förderschächte. Daher kommt auch der Name Tarnowskie Góry.

Unterirdische schätze

Wussten Sie, dass die Stadt Tarnowskie Góry einst durch die Produktion von Silber und Blei berühmt war?

Das wichtigste Mineral, welches von den Bergleuten in Tarnowskie Góry gefördert wurde, war der Galenit, also Bleierz mit Silber. Der Name wurde erstmalig vom römischen Gelehrten Pilnius dem Älteren verwendet, der damit Bleierz beschrieben hat. Mitte des 16. Jahrhunderts war die Stadt Tarnowskie Góry der größte Produzent von Galenit in diesem Teil Europas. Es wird davon ausgegangen, dass der Export des hiesigen Bleis einen indirekten Einfluss auf den internationalen Handel und die damit einhergehende Konjunktur auf dem Kontinent hatte. Das Silber wiederum gelangte bis nach China, wo es zur Produktion von Münzen gebraucht wurde.

Gewerker

Wussten Sie, dass im Polnischen das Wort "Gewerker" und "Bergmann" das gleiche bedeuten?

Das Wort "gwarek" stammt vom deutschen Wort "Gewerke" und bedeutet einen Verantwortlichen für die Produktion, einen Anteilnehmer, Unternehmer oder einfach den Besitzer eines Bergwerks. Heutzutage würden wir solch eine Person einfach als Unternehmer bezeichnen, der in Bergwerke investiert. Ein Bergmann hingegen ist ein Mensch, der im Bergwerk arbeitet. Am 8. August 1534 wurde die damals junge Stadt von Unruhen heimgesucht, die bis dato nie zuvor gesehen wurden. Die wütenden Hauer, die hier nach Silber suchten, nahmen ihre Spitzhacken in die Hand und begannen den ersten Streik in der Region. Der Grund? Wie üblich - verspätete Auszahlung des Lohns und allgemeine Ausbeutung der Arbeiterklasse. Die Unruhen dauerten drei Tage. Erst das Militär, welches aus Bytom kam, konnte die Selbstjustiz der Aufständischen unterdrücken. Seit dieser Zeit wurden die Löhne pünktlich ausgezahlt.

Namen der schächte

Wussten Sie, dass jeder Schacht, der von den Bergmännern gegraben wurde, einen eigenen Namen hatte?

Über vier Jahrhunderte entstanden auf dem Gebiet des Bergwerks über 20 Tsd. von ihnen. Solch eine große Zahl bewirkte, dass die Bergleute ein Problem mit der Namensgebung hatten. Es wurden also solche Namen vergeben, wie Aristoteles, Affenschwanz, Abendstern, Aurora oder Schweinsbraten. Wenn die Bergleute im Amt vier Schächte gleichzeitig anmeldeten, dann bekamen diese verwandte Namen, z. B. Futter, Hafer oder Teller, Kanne, Glas, Pils. Es kam auch vor, dass Schimpfworte verwendet wurden.

Arbeitsrecht

Wussten Sie, dass laut dem alten Arbeitsrecht der Bürgermeister in einer Stadt drei Sprachen kennen musste?

So wurde es im Paragraphen 49 der „Bergordnung” festgelegt - des berühmten Gesetzes über den Bergbau aus dem Jahre 1528. In diesem Gesetz taucht auch zum ersten Mal der Name Tarnowskei Góry auf. Das Gesetz wurde auf Polnisch, Tschechisch und Deutsch verfasst. Dieses Dokument begründete u. a. die Verwaltung der Bergwerke sowie der Stadt Tarnowskie Góry. Ferner regulierte es auch den Betrieb der Bergwerke sowie die Höhe der Löhne.

Strafen für bergmänner

Wussten Sie, dass Bergmänner sich an sehr strenge Regeln halten mussten?

Bereits 1534 war es Bergmännern untersagt, in Bergwerken und Wäschern Bier zu trinken. Wer diese Regelung nicht befolgte und zur Arbeit alkoholisiert erschien, unterlag schweren Strafen. Auch Bergmänner, die andere bei der Arbeit störten, bspw. mit einer Pfeife, konnten zu Gefängnisstrafen verurteilt werden. Im Jahre 1541 war dies das Schicksal eines gewissen Assyk Gayda. Ähnlich sah es auch beim Wiegen des Baggerguts aus, bei dem stets ein Aufseher anwesend war. Wehe dem Bergmann, der qualitativ schlechtes Erz auf die Waagschale gelegt hat! Infolge der Verordnung vom Jahre 1618 mussten sogar Bergleute, die zu spät in den Lift einstiegen, Strafen fürchten.

XVIII

Die Industrielle Revolution

Entwicklung des bergwerks

Wussten Sie, dass es 9 Monate gedauert hat, bis die Bergmleute sich bis zu den Silberlagerstätten durchbuddelten?

Am 16. Juli 1784 gelangte der erste Klumpen dieses Metalls durch den Schacht Rudolfina an die Erdoberfläche. Zwei Tage später gelangten die Bergmänner auch an die Lagerstätten in den Schächten Łyszczonek und Opal. Friedrich von Reden soll angeblich, als ihm bei seiner Ankunft einer der Steiger den ersten Klumpen zeigte, vor Glück auf die Knie gefallen sein. Im gleichen Jahr wurde das staatliche Bergwerk, die Friedrichsgrube eröffnet.

Dampfmaschine

Wussten Sie, dass die erste Dampfmaschine in Oberschlesien in Tarnowskie Góry in Betrieb genommen wurde?

Das Wunder der damaligen Technik wurde 1787 Samuel Homfrays Eisenhütte Penydarran in Südwales hergestellt. Nach dem Transport nach Cardiff wurde die Maschine auf ein Schiff geladen, welches nach einigen Tagen in Szczecin erreichte. Dort wurde die Maschine auf Kähne geladen, die sie weiter über die Oder transportierten. Nach ca. 600 km erreichten die Kähne Zdzieszowice, wo die Maschine ausgeladen wurde. Im August 1787 gelangte diese unglaubliche Erfindung mithilfe von Pferdewagen nach Tarnowskie Góry. Der Montageprozess des über 30 kg wiegenden Kolosses wurde in einem eigens hierfür errichteten Gebäude vom Konstrukteur selbst, Samuel Homfray, beaufsichtigt. Die am 18. Januar 1788 in Betrieb genommene Maschine wurde zur Entwässerung der Hohlräume in der Friedrichsgrube genutzt.

Goldenes buch

Wussten Sie, dass der industrielle Tourismus in Tarnowskie Góry bereits Ende des 18. Jahrhunderts begann?

Ein Wendepunkt war die Inbetriebnahme der ersten Dampfmaschine in der Friedrichsgrube. Diese Nachricht verbreitete sich sehr schnell in ganz Europa. Viele Schaulustige kamen in die Stadt der Bergmänner (darunter auch herausragende Persönlichkeiten), um sich die Arbeit dieses Wunders des Technik anzuschauen. Ihre Eindrücke hielten sie dabei auf Papier fest, indem sie sie in das sog. Goldene Buch von Tarnowskie Góry eintrugen. Das Buch enthält rund 900 Namen von Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen und beruflichen Schichten. Am 12. September 1804 trug sich auch der Verfasser der polnischen Nationalhymne, Józef Wybicki, in das Buch ein.

Berghabit

Wussten Sie, dass Bergleute bei jeder Feierlichkeit ein Berghabit tragen mussten?

Diese Kleiderordnung führte Ende des 18. Jahrhunderts der Direktor des Oberbergamts in Wrocław Friedrich Wilhelm von Reden ein. Für die Nichteinhaltung dieses Gebots drohten harte Strafen, darunter auch Freiheitsstrafen. Im Jahre 1797 wurde so der Schmied Hunger bestraft, der in der Friedrichsgrube arbeitete. Hunger lehnte es ab, während des Bergmannsfestes „Barbórka“ ein Berghabit zu tragen und musste 24 Stunden in Haft verbringen. Verhaftet wurde Hunger von Inspektor Gottlieb Kalide, dem Vater des berühmten Berliner Bildhauers Theodor, der in Königshütte geboren ist.

Industrie-spionage

Wussten Sie, dass die britischen Konstrukteuer von Dampfmaschinen ihre Erfindunge streng geheim halten mussten?

Zur Zeit der industriellen Revolution kamen immer mehr ausländische Würdenträger nach Großbritannien, die an innovativen Technologien von solchen Erfindern wie Thomas Newcommen oder James Watt interessiert waren. Der offizielle Grund dieser Besuche war der Wunsch, sich die Funktionsweise dieser Maschinen anzuschauen. Die Wahrheit kam erst ans Tageslicht als die britischen Fabriken ihre Tore vor den ausländischen Besuchern öffneten. Viele bekannte Persönlichkeiten, wie bspw. Baron Karl von Stein, übten großangelegte Spionage aus. Es war auch von Stein, der alle Formalitäten im Zuge der Verhandlungen über die Ausfuhr der ersten Dampfmaschinen nach Tarnowskie Góry erledigte.

Carnalla-tassen

Wussten Sie, dass Carnall sein berühmtes Tee-Service von seinen Schülern erhielt?

Im Jahre 1844 wurde Rudolf von Carnall, der damalige Direktor der Bergbauschule in Tarnowskie Góry, befördert und ins Ruhrgebiet versetzt. Bevor er die Stadt der Bergleute verließ, schenkten ihm 23 Abiturienten der von ihm geleiteten Schule ein Porzellan-Service. Auf den Tassen wurden Bergbaugebäude gemalt. Unter den 12 abgebildeten Objekten befanden sich 8 in der Umgebung von Tarnowskie Góry. Die restlichen in Bytom und Piekary Śląskie. Nur auf einer der Tassen wurde ein nichtindustrielles Gebäude abgebildet. Es handelt sich hierbei um das bis heute erhaltene Haus von Carnalls in der ul. Szymały.

Bruderschaft der hl. Barbara

Wussten Sie, dass der Kult der hl. Barbara, der Schutzherrin der Bergleute, in Tarnowskie Góry entstanden ist?

Die Schutzherrin des guten Todes hatte in der Stadt der Bergleute sehr viele Anhänger. Im Jahre 1721 wurde hier die Bruderschaft der hl. Barbara gegründet. Neun Jahre später wurde wiederum eine Kapelle zu Ehren der Heiligen an der Kirche erbaut. Der damalige Pfarrer der Peter-und-Paul-Gemeinde, Pfarrer Ziębowski, schrieb an den Apsotolischen Stuhl einen Brief mit der Bitte, die Bruderschaft anzuerkennen. Die positive Antwort kam im Jahre 1747. Zeitgleich begann man ein Buch zu führen, in welches die Namen der neuen Mitglieder eingetragen wurden. Die Bruderschaft der hl. Barbara existiert bis heute.

Mobile toilette der bergleute

Wussten Sie, dass die Bergleute eine mobile Toilette hatten?

Während einer 12-Stunden-Schicht konnten die Bergleute in der Friedrichsgrube ihre Notdurft nicht am Arbeitsplatz verrichten. Sie mussten einen Metallkübel nutzen, der quasi als mobile Toilette eingesetzt wurde. Am Ende einer jeden Schicht wurde er wieder auf die Oberfläche transportiert, geleert und gesäubert. Bei Morgengrauen kehrte die Toilette wieder zurück unter Tage.

In order to ensure maximum convenience to users when using the website, this page uses cookie files.